Zakia Khudadadi schreibt Geschichte: Sie gewann am Donnerstag als erste Flüchtlingsfrau überhaupt eine Medaille bei den Paralympics. Ihr Bronzegewinn im Taekwondo der Frauen markiert einen bedeutenden Meilenstein in ihrer bemerkenswerten Lebensgeschichte, die mit einem Geburtsfehler begann und eine waghalsige Flucht aus dem von den Taliban kontrollierten Afghanistan einschloss. Nach ihrem Sieg über die Türkin Ekinci Nurcihan im Kampf um Bronze in der Kategorie -47 der Frauen war Khudadadi sichtlich überglücklich und warf Helm und Mundschutz in die Luft. „Es war ein surrealer Moment“, sagte sie. „Ich habe so viel durchgemacht, um hierher zu kommen.“ Die 25-Jährige widmete ihre Medaille allen afghanischen Frauen und Flüchtlingen weltweit und drückte ihre Hoffnung auf Frieden in ihrer Heimat aus. Khudadadi hatte bereits 2021 bei den Paralympics in Tokio für Afghanistan teilgenommen. Aufgrund der Einschränkungen der Frauenrechte durch die Taliban entsandte Afghanistan jedoch keine Athletinnen zu den diesjährigen Paralympics. Das repressive Taliban-Regime schränkte den Zugang von Frauen zu Arbeit, Reisen und Gesundheitsversorgung massiv ein und zwang viele Sportlerinnen zum heimlichen Training. Während des US-Militärabzugs aus Afghanistan im Jahr 2021 wurde Khudadadi klar, dass ihr Traum vom paralympischen Taekwondo unter der Taliban-Herrschaft nicht mehr sicher war. Die vorherige Taliban-Herrschaft von 1996 bis 2001 war von extremen Einschränkungen der Frauenrechte geprägt, darunter Verbote von Bildung und Beschäftigung. Wenige Tage vor den Paralympischen Spielen in Tokio wandte sich Khudadadi in einem emotionalen Online-Video an die internationale Gemeinschaft und bat um Hilfe bei ihrer Flucht aus Afghanistan. Ihr Appell verbreitete sich rasant, und schließlich wurde sie außer Landes geschmuggelt und nach Tokio geflogen. Dort trat sie für Afghanistan an und war die erste afghanische Frau seit 2004, die an den Spielen teilnahm. Obwohl sie damals keine Medaille gewann, war ihre Teilnahme ein bedeutender Erfolg. Nach den Paralympischen Spielen in Tokio zog Khudadadi nach Frankreich, um ihr Training fortzusetzen. Ihr harter Einsatz wurde mit einer historischen Bronzemedaille bei den Spielen in Paris belohnt. Das französische Publikum jubelte ihr begeistert zu. „Diese Medaille ist für alle Frauen in Afghanistan und alle Flüchtlinge“, sagte sie. „Wir geben den Kampf für Gleichberechtigung und Freiheit in meinem Land nicht auf.“ Khudadadi hat die Paralympischen Spiele 2028 in Los Angeles fest im Blick. Sie hofft, dass ihre Medaille andere inspiriert und positive Veränderungen in Afghanistan und darüber hinaus bewirkt. „Ich möchte diese Medaille der ganzen Welt schenken“, sagte sie. „Ich hoffe, dass eines Tages alle Menschen frei sein werden, insbesondere Mädchen, Frauen und Flüchtlinge.“
